Weiblicher Burnout: Wie wir endlich nicht mehr ausbrennen

Weiblicher Burnout: Wie wir endlich nicht mehr ausbrennen
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  • Veröffentlicht: 28.02.2026
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Frauen brennen aus, aber oft anders als Männer. Warum Stress, Mentale Load und gesellschaftliche Erwartungen Frauen besonders gefährden und wie sie sich retten können.

Burnout – ein Begriff, den mittlerweile fast jede:r kennt, doch als Betroffene merkt man oft erst, was er bedeutet, wenn der Alltag kaum noch zu bewältigen ist. In Österreich fühlen sich laut aktuellen Zahlen rund zwölf Prozent der berufstätigen Frauen regelmäßig ausgebrannt, bei Männern sind es „nur“ acht Prozent. Für beide Geschlechter gilt: Die Dunkelziffer dürfte signifikant höher sein und die Tendenz ist vor allem bei den jüngeren Generationen der Gen Z und Millennials stark steigend. Mediziner:innen sprechen gar von einer Art „neuen Pandemie“. Schaut man sich die Krankenstandstage aus dem Jahr 2025 an, ist dies gar nicht so weit hergeholt. Psychische Erkrankungen, darunter auch Burnout, haben sich laut AOK zu einer der Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit entwickelt. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fälle um rund 70 Prozent gestiegen. Und auch hier zeigt sich, dass Frauen viel öfter davon betroffen sind als ihre männlichen Kollegen. 

Die totale Erschöpfung 

Aber was bedeutet „Burnout“ eigentlich genau? Psycholog:innen definieren es als chronischen Zustand der totalen körperlichen, emotionalen und geistigen Erschöpfung. Dabei handelt es sich keineswegs nur um bloße Müdigkeit, sondern um einen dauerhaften Zustand, der das gesamte Leben lähmt. „Burnout entsteht bei Frauen und Männern aus ähnlichen Grundmechanismen: zu viel Stress über zu lange Zeit, zu wenig Erholung und zu wenig Einfluss auf die Belastung“, erklärt Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Psycholog:innen (BÖP), „was sich jedoch unterscheidet, sind die Lebensrealitäten und Erwartungen, die diesen Stress erzeugen.“ 

Viele Frauen übernehmen nicht nur Verantwortung im Beruf, sondern auch einen Großteil der unbezahlten Care-Arbeit wie etwa Kinderbetreuung, Hausarbeit, Organisation und Pflege von Angehörigen. Dazu kommt der psychologische Faktor: Frauen bekommen für ihre Leistungen oft weniger Anerkennung, was zu einem Teufelskreis führt. Sie strengen sich noch mehr an, versuchen alles richtig zu machen, übernehmen zusätzliche Aufgaben und geraten so in die Überlastung. „Frauen fällt es viel schwerer als Männern, Nein zu sagen und sich abzugrenzen, da sie oft dazu erzogen wurden, Konflikte zu vermeiden und ihre eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen“, so Wimmer-Puchinger. Das führt nicht nur zu einer höheren Burnout-Anfälligkeit, sondern zeigt sich auch im höheren Konsum von Psychopharmaka. 

Die unsichtbare Arbeit 

Ein wesentlicher Unterschied im weiblichen Burnout ist der sogenannte „Mentale Load“, also die unsichtbare Verantwortung, alles im Kopf zu behalten. Es geht nicht nur darum, Aufgaben zu erledigen, sondern sie zu planen und zu koordinieren.

„Viele Frauen erleben nicht nur Überlastung, sondern auch Frust und das Gefühl, allein zuständig zu sein.“
Beate Wimmer-Puchinger

Wer denkt daran, dass die Kinder eine Jause brauchen, organisiert Arzttermine, plant Geburtstage, pflegt soziale Kontakte und behält gleichzeitig alle beruflichen Deadlines im Auge? Selbst in Paarbeziehungen, in denen die Aufgaben formal geteilt sind, liegt die Steuerung häufig bei der Frau. Die ständige innere Überwachung all dieser Aufgaben frisst Energie und verhindert echte Erholungsphasen. 

Chronische Schlafprobleme entstehen, weil Gedanken und Verantwortlichkeiten nachts wachhalten. Selbst vermeintlich schöne Freizeitaktivitäten werden nicht mehr als Entspannung empfunden. Psycholog:innen sprechen von „stillem Dauerstress“. Man ist physisch anwesend, psychisch aber permanent auf Abruf. „Viele Frauen erleben nicht nur Überlastung, sondern auch Frust und das Gefühl, allein zuständig zu sein. Dieser mentale Dauerstress erhöht das Risiko für Burnout erheblich“, warnt Wimmer-Puchinger. 

Typisch weiblich, typisch anders 

Auch die Symptome von Burnout unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern. Bei Frauen zeigt sich häufig eine emotionale Erschöpfung, begleitet von innerer Anspannung, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Betroffene berichten: „Ich kann nicht abschalten“, „Ich fühle mich ständig überfordert“ oder „Ich habe Angst zu versagen.“ Körperlich kann sich die Belastung in Kopf- und Nackenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Zyklusveränderungen oder einer erhöhten Infektanfälligkeit zeigen. Männer reagieren tendenziell anders, zum Beispiel mit Rückzug, Zynismus, Reizbarkeit oder riskantem Verhalten. 

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„Frauen nehmen Überlastungen zwar früher wahr und sprechen eher darüber als Männer, sie versuchen aber häufig, durch noch mehr Anstrengung zu kompensieren“, weiß Wimmer-Puchinger. Da hilft es auch nicht unbedingt, dass Burnout sich noch dazu oft mit Depressionen oder Angststörungen überschneidet. Ohne professionelle Diagnostik durch eine:n Psycholog:in neigen Frauen dann dazu, sich selbst die Schuld zu geben oder die Symptome als „normalen Stress“ abzutun, anstatt rechtzeitig zu handeln. 

Wege aus dem Hamsterrad 

Damit sind wir auch schon beim wichtigsten Punkt: dem Handeln! Der erste Schritt zur Bewältigung liegt darin, Burnout nicht als persönliches Versagen zu sehen, sondern als ernstes Warnsignal des Körpers und der Psyche. „Wer im Burnout ist, kann nicht ‚einfach noch stärker‘ sein“, betont Wimmer-Puchinger. Daher rät sie, die Überforderung zu stoppen, Grenzen zu ziehen, sich gegebenenfalls krankschreiben zu lassen. Im nächsten Schritt geht es um Selbstfürsorge und Priorisierung. Fragen wie „Was macht mir Freude? Mit wem bin ich gerne zusammen? Wer stresst mich? Welche Aufgaben kann ich abgeben?“ helfen, den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen.

Burnout erkennen 

Emotionale Anzeichen 

  • Ständige innere Anspannung und Nervosität, das Gefühl, nie abschalten zu können 
  • Schuldgefühle wie „Ich muss noch mehr leisten“ oder „Ich bin nicht gut genug“ 
  • Selbstzweifel und Unsicherheit, oft verbunden mit der Angst zu versagen 
  • Gereiztheit, Stimmungsschwankungen oder das Gefühl, emotional ausgelaugt zu sein 
  • Frust, Überforderung und das Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden 

Körperliche Anzeichen 

  • Chronische Kopfschmerzen oder Spannungsschmerzen im Nacken- und Schulterbereich 
  • Magen-Darm-Beschwerden, Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Durchfälle 
  • Herzrasen, Schwindel oder plötzliche Schwächegefühle 
  • Veränderungen im Zyklus oder hormonelle Schwankungen 
  • Häufigere Infekte oder ein geschwächtes Immunsystem 
  • Schlafprobleme, Einschlaf- oder Durchschlafstörungen durch kreisende Gedanken 

Verhaltensweisen und Alltagssymptome 

  • Permanentes Funktionieren trotz Erschöpfung, das Gefühl, sich ständig zusammenreißen zu müssen 
  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen oder „Nein“ zu sagen – sowohl im Beruf als auch privat 
  • Übermäßige Selbstverantwortung, das ständige Planen, Organisieren und Kontrollieren 
  • Rückzug aus sozialen Kontakten oder Freude an Hobbys und Freizeitaktivitäten nimmt ab 
  • Versuch, Belastung durch noch mehr Leistung zu kompensieren, statt Pausen einzubauen 

Wichtig: Frühe Anzeichen ernst nehmen! Burnout ist kein persönliches Versagen, sondern ein Warnsignal von Körper und Psyche. Professionelle Unterstützung durch Psycholog:innen oder Ärzt:innen kann helfen, die Ursachen zu erkennen, Schuldgefühle abzubauen und Strategien zu entwickeln, bevor die Erschöpfung chronisch wird. 

Psychologische Unterstützung ist hier zentral, denn eine klinisch-psychologische Behandlung kann helfen, Stressmuster zu verstehen, Schuldgefühle abzubauen und neue Strategien zu entwickeln. Auch kleine, aber konsequente Selbstfürsorge-Taktiken wirken oft Wunder: regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung, soziale Kontakte, bewusste Pausen. Das klingt simpel, ist aber für viele Betroffene eine entscheidende, stabilisierende Veränderung. Außerdem ist es wichtig, die mentale Last sichtbar zu machen und die Zuständigkeiten sowohl zuhause als auch im Job neu zu verteilen. Am Arbeitsplatz helfen realistische Zielsetzungen, Pausen und eine stufenweise Rückkehr, um die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. 

Gesellschaftliche Baustellen 

Burnout ist nicht nur ein individuelles Problem. Frauen brennen aus, weil Care-Arbeit und emotionale Verantwortung von ihnen privat aufgefangen werden. „Wir brauchen endlich eine echte 50-50-Verteilung von unbezahlter Arbeit und ein Rollenverständnis, das Frauen stärkt anstatt sie zu überfordern“, fordert Wimmer-Puchinger. Im Beruf sind Lohngerechtigkeit, Chancengleichheit, realistische Arbeitslasten und das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit wichtige Faktoren. Das gilt insbesondere für Berufe mit hoher emotionaler Belastung, wie etwa im Gesundheits-, Pflege-, Bildungs- und Sozialbereich, die meist von Frauen ausgeübt werden. Entlastung hier ist entscheidend, um weibliches Burnout vorzubeugen. 

Ein persönliches Anliegen von Wimmer-Puchinger ist der leistbare, zeitnahe und niederschwellige Zugang zu psychosozialer Versorgung. Burnout-Prävention ist nicht nur Gesundheits-, sondern auch Gleichstellungspolitik. Wer Frauen frühzeitig unterstützt, verhindert ernsthafte Erkrankungen und stärkt ihre langfristige Leistungs- und Lebensfähigkeit. 

Female Burnout ist kein individuelles Versagen, sondern das Ergebnis von struktureller, gesellschaftlicher und persönlicher Überlastung. Wer die Signale ernst nimmt, mentale Last reduziert, sich selbst priorisiert und rechtzeitig Unterstützung holt, kann frühzeitig gegensteuern. Niemand muss alleine ausbrennen und jede Frau hat das Recht, gesund, stark und zufrieden zu leben, ohne dass der Alltag sie zerreibt. 

Strategien gegen Burnout

Grenzen setzen 

  • Lernen, „Nein“ zu sagen, ohne Schuldgefühle – sowohl im Beruf als auch zuhause. 
  • Aufgaben abgeben, delegieren oder gemeinsam planen: Partner:innen, Kolleg:innen oder Familienmitglieder aktiv einbeziehen. 
  • Realistische Ziele definieren: Prioritäten setzen, Wichtiges von Dringendem unterscheiden, Perfektionismus reduzieren. 
  • Bewusst Pausen einplanen und diese auch einhalten. Erholung ist kein Luxus, sondern notwendig. 

Selbstfürsorge im Alltag 

  • Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit! Der Körper braucht Energie, um Stress zu verarbeiten. 
  • Bewegung: Spazierengehen, Yoga, Radfahren oder andere Aktivitäten, die Spaß machen und Stress abbauen. 
  • Schlafhygiene: feste Schlafzeiten, Bildschirmzeit reduzieren, entspannende Rituale vor dem Schlafengehen. 
  • Soziale Kontakte pflegen: Austausch mit Freund:innen, Familie oder Gruppen, die Unterstützung bieten. 
  • Kleine Freude-Momente bewusst einplanen, z. B. ein Buch lesen, Musik hören oder Zeit in der Natur verbringen. 

Mentale Entlastung 

  • To-do-Listen priorisieren: Aufgaben sichtbar machen und realistisch planen, nicht alles auf einmal wollen. 
  • Verantwortlichkeiten im Haushalt oder im Beruf sichtbar verteilen, damit die mentale Last geteilt wird. 
  • Hilfe einfordern: Unterstützung durch Familie oder Kolleg:innen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. 
  • Achtsamkeitstechniken wie Meditation, Atemübungen oder kurze Pausen helfen, Gedanken zu ordnen und Stress zu reduzieren. 

Professionelle Unterstützung 

  • Psychologische Beratung oder Therapie kann helfen, Ursachen von Überlastung zu erkennen und Strategien zu entwickeln. 
  • Schuldgefühle abbauen: Viele Frauen neigen dazu, sich selbst für Überlastung verantwortlich zu machen. Fachliche Unterstützung zeigt alternative Wege. 
  • Langfristige Stabilisierung: Therapeut:innen begleiten Betroffene dabei, neue Routinen zu etablieren, Stressmuster zu durchbrechen und echte Erholung zu erfahren. 

Beate Wimmer-Puchinger ist Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Psycholog:innen (BÖP) und ehemalige Frauengesundheitsbeauftragte.

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